Eine der furchteinflößendsten Dinge ist für mich, die freie Wahl zu haben. Klingt womöglich etwas bizarr, okay. Aber schließt einmal die Augen und stellt euch vor, ihr müsstet euch um nichts mehr kümmern, müsstet kein Geld mehr verdienen, keine Miete mehr zahlen, und könntet tun und lassen, was ihr wollt. Was erst einmal toll klingt — wer würde nicht gerne den ganzen Tag am Strand liegen und Bücher lesen, oder auf der Xbox Killerspiele spielen — ist doch eigentlich ziemlich furchtbar. Macht das Leben noch Spaß, wenn es keine Ziele gibt, auf die man hinarbeiten kann, keine Verpflichtungen, die man erfüllen muss? Vieles von dem, was uns täglich nervt — offene Rechnungen, doofe Chefs, yadda yadda — gibt unserem Leben erst eine Struktur und uns selbst den nötigen Antrieb, um uns in dieser Struktur zurecht zu finden und sowas wie Erfolg zu empfinden.
Innerhalb eines Projekts ist das ähnlich. Sich einfach mal hinzusetzen und loszulegen ist beinahe der Voraus-Todesstoß für ein kreatives Projekt. Klar, man hat alle Möglichkeiten, kann alles mal probieren, muss sich keinen Grenzen beugen, aber in den seltensten Fällen kommt am Ende etwas Brauchbares raus — wenn man überhaupt eines Tages fertig wird. Unter solchen Voraussetzungen kann man ja “fertig” nicht einmal zuverlässig definieren.
Es ist nicht lange her, dass ich das völlig anders gesehen habe. Ich hatte gerade frisch meinen Job bei ProSiebenSat.1 hingeschmissen und mir selber geschworen, Projekte anders anzugehen als es dort oft getan wurde. Sich wochenlang in Konzepte und Pflichtenhefte zu vergraben war einfach nichts für mich, und als am Ende fast nie das heraus kam, was ursprünglich beabsichtigt wurde, kamen die berechtigten Zweifel an diesem System.
Mein Fehler war jedoch, dass ich Planen pauschal als unnötig empfand. Dabei war es lediglich die Art der dort erlebten Planung, die nicht stimmte. Es wurde sich zu hundert Prozent auf ein Ziel konzentriert, der Weg dorthin wurde oft außer Acht gelassen. Der Begriff des “Kickoffs” sagt ja schon: jetzt, wo wir zuende geplant haben, könnt ihr loslegen. Wie lange braucht ihr?
Dabei ist Planen Teil des Wegs! Ja, so einfach ist es! Wieso wurde ich nicht darüber informiert?!
Zurück zu meinem aufregenden Leben. Wenn ich mir meine eigenen Projekte anschaue und überlege, welche davon ich als tatsächlich gelungen empfinde, fallen mir immer spontan 25peeps.com und dilemma5000.de ein. Das sind natürlich auch zwei sehr einfache Projekte. Die gar nicht mal so spektakulär viel Traffic aufweisen. Aber um den geht’s mir gar nicht mal. Ich werte sie als Erfolg, weil ich bei beiden mit einer klaren Zielsetzung und Vorstellung eines Weges zu Entwickeln angefangen habe und nach jeweils 1-2 Tagen fertig war.
Als moderaten Misserfolg hingegen werte ich aufeinander.de, meine kleine Datingsite. Da melden sich zwar ständig neue Leute an, trafficmäßig ist daher ordentlich was los, aber sowie Entwicklungsgeschichte also auch Zielerreichungsgrad, wenn man das so sagen kann, sind nicht besonders zufriedenstellend.
Heute weiß ich, warum. Weil es keine Ziele gab. Ich wollte halt eine Datingsite bauen. Und einfach mal schauen, was ich da so einbauen kann.
Dabei fing es gar nicht mal so an. Anfang 2005 setzte ich mich mit ein paar Freunden zusammen, um die Site von A bis Z durchzuplanen. Was hatten wir für Ideen! Die irrste Datingsite der Welt, mit Features, bei denen die Konkurrenz ganz schön blöd aus der Wäsche schauen würde! Als wir dann eine hässliche Sammlung komplexer Mindmaps hatten und als nächstes das Scribblen der einzelnen Seiten angehen wollten, überkam mich auf einmal das kalte Grausen: hilfe, das läuft ja wie bei meinem Arbeitgeber! Moment mal!
Also schmiss ich die ganzen Sachen weg und fing stattdessen “einfach mal an”. Baute ein Ajax-basiertes Mailsystem, auf das ich total stolz war. Einen ebenfalls Ajax-basierten Webchat, den ich total super fand, es war einer der ersten seiner Art. Und tatsächlich ein paar echte Datingsitefunktionen. Aber halt nicht besonders viele. Und vor allem keine so guten. Ich war dank der neugewonnen Freiheit so sehr in technische Details vertieft, dass ich das eigentliche Ziel — eine spaßige Datingsite zu bauen, die den Usern gefällt — aus den Augen verlor. Herausgekommen ist eine höchst mittelmäßige Datingsite. Die höchstens meinen Freunden gefällt, weil sie nicht gemein zu mir sein wollen. Mit Ajax-basiertem Mail- und Chat-System. Das auch noch so buggy ist, dass es auch heute noch gelegentlich Internet Explorer zum Absturz bringt. Wäh.
Was lernen wir daraus? Das war ganz offensichtlich nicht der Weg zum Erfolg. Aber ist es das pedantische Durchplanen eines jeden Details? Ich glaube nicht!
In den nächsten Monaten — wenn mir wieder etwas mehr Zeit für solche Experimente zur Verfügung steht — werde ich das Datingsite-Thema noch einmal angehen. Und diesmal probiere ich etwas neues: ich werde mir selber ein fieses Limit setzen, mich auf eine besonders diabolische Art und Weise einschränken, mir selber eine Bedingung stellen, für die ich einen Kunden womöglich auslachen würde:
Ich werde mir für das Programmieren der Site nur 2 Tage geben. Nicht mehr und nicht weniger. Diese 2 Tage werde ich mir dafür reservieren und für alles andere blocken.
Im Gegensatz zu der Art, wie es bei solchen Projekten normalerweise läuft, überlege ich erst, wie lange ich brauche, und dann, was ich in der Zeit tun will — und schaffen kann.
Und das ist in 2 Tagen nicht sonderlich viel. Zum Glück arbeite ich mit Ruby on Rails, deswegen geht alles etwas schneller. Aber das alleine reicht natürlich nicht. Also werden ich vorher zwei Dinge tun:
Da sich der Featuresatz in einem sehr überschaubaren Rahmen bewegen wird, wird sich auch der zweite Punkt als weniger komplex gestalten. Statt eines zweihundertseitigen Pflichtenhefts habe ich dann eine in OmniOutliner erstellte Sitemap und ein paar in OmniGraffle zurechtgeklickte Seiten-Prototypen.
Und mit denen bewaffnet setze ich mich dann 2 Tage lang an meinen Textmate und setze Dinge um, die ich in meinem kleinen Schädel fast komplett fertig entwickelt habe.
Ich sag euch, das klappt. Drückt mir die Daumen! Einsichten, Entwicklung, Rails, Web 2.0
Oh, and, by the way, if you think that it’s unprofessional to be funny, then I’m sorry, but you just don’t have a sense of humor. (Don’t deny it. People without senses of humors always deny it. You can’t fool me.) And if you work in a company where people will respect you less because your specs are breezy, funny, and enjoyable to read, then go find another company to work for, because life is just too damn short to spend your daylight hours in such a stern and miserable place.
The key point of Flow is not that productivity fights fear and creates happiness, but recognizing that creating happiness is what creates productivity. I think it’s about time, if we want to avoid the descent into compromises and disillusionment common in computer science. So, get in touch with your feelings when deciding about that design, language, system, api, etc. and ask yourself “am I happy doing this?” I think your instincts are a better guide than you know. Trust them. And don’t be afraid to be happy.
Bitte lesen und dann entweder belächeln oder etwas weiser sein als zuvor. (Ich empfehle letzteres, aber wer bin ich schon?) Einsichten, Entwicklung, Produktivität